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Die Fetischisierung von Bareback-Sex

April 15, 2018

Kaum einer weiß, dass es neben Kondomen noch zwei weitere Methoden gibt, sich vor HIV zu schützen. Warum? Weil viele glauben, es sei gefährlich, diese Infos zu verbreiten. Dabei scheint es viel eher so zu sein, dass die Tabuisierung und Verteufelung von Sex ohne Kondome dazu führte, dass eben dieser viele Menschen antörnt. Ein soziologische Untersuchung über die "Fetischisierung von Bareback-Sex."

 

[This article also exists in English.]

 

© TIMTALES.com

1982 ist in Frankfurt-am-Main die erste Person in Deutschland an AIDS gestorben. Ab dann brach die Panik relativ schnell aus. Keine andere Infektion/Erkrankung war und ist so mit Stigma verbunden wie HIV und AIDS. 1983 wurde dann die Ursache von AIDS, das HI-Virus, entdeckt. Schnell wurde ein Sündenbock festgemacht: Die Schwulen! Was Homosexuelle sich seit Jahren an Rechten und Anerkennung erkämpft hatten, war plötzlich von heute auf morgen zerstört. Tatsächlich waren sie überdurchschnittlich stark davon betroffen, was einerseits an mehr Sex und öfter wechselnden Sexualpartnern lag, und andererseits an dem höheren Risiko bei Anal-Sex. Innerhalb der schwulen Community starben einer nach dem anderen weg. Manche verloren innerhalb weniger Jahre den halben Freundeskreis. Es schien als würden die Schwulen endlich "Gottes gerechte Strafe" für das Leben bekommen, für das so viele Homophobe sie immer insgeheim beneidet hatten. Homophobie war nicht zuletzt auch dadurch begünstigt, dass Schwule ihre Sexualität innerhalb ihrer Subkultur einfach schon immer freier ausgelebt hatten. 

 

1985 starb Rock Hudson dann an AIDS und ein Ruck ging durch die Welt. Plötzlich waren "die Schwulen" nicht mehr nur "die kranken Perversen" in versteckten Darkrooms und Saunen, sondern die Krankheit war in der Mainstream-Gesellschaft und mitten in Hollywood angekommen. Trotzdem: Nach einem anfänglichen Schock ging die Homophobie weiter und mischte sich mit Angst vor Ansteckung. Aus dem gleichen Glas trinken, im gleichen Becken schwimmen, ein Händeschlag, alles war plötzlich mit Angst behaftet, sich eventuell bei jemanden anstecken zu können. Schnell machten sich Forderungen breit, HIV-Positive oder gar alle Schwule aus der Gesellschaft auszuschließen. Peter Gauweiler, CSU-Politiker und 1986 bis 1990 Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, forderte Zwangstests für Risikogruppen wie schwule/bisexuelle Männer, Sex-Arbeitende, Drogengebrauchende und Zugezogene, die eine Aufenthaltserlaubnis wollten – notfalls sogar durch Polizei forciert. Zudem sollten Register geführt werden, in denen alle Menschen mit HIV namentlich geführt werden. Sogar von Aussonderungen war die Rede. Horst Seehofer, der vor wenigen Wochen erst sein Amt als Bundes-Innenminister angetreten hat, forderte in den 80ern, AIDS-Kranke in "speziellen Heimen zu sammeln", ja sogar zu "konzentrieren". Er will diese bemerkenswerte Wortwahl heute nicht mehr kommentieren und lässt 2012 auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung nur ausrichten, damals sei man in der Aids-Politik noch auf der "Suche nach dem richtigen Weg" gewesen; der damalige sei "längst überholt" (1).

 

Auch viele Medien beteiligten sich an der Panikmache – allen voran Der Spiegel – und trugen somit dazu bei, dass Menschen mit HIV immer mehr als Todesengel betrachtet wurden. Anstatt Solidarität machte sich Ausgrenzung und Hass breit. Inmitten dieses negativen gesellschaftlichen Klimas sticht eine Frau hervor, für deren Taten heute zahlreiche Menschen sehr dankbar sind: Die CDU-Politikerin Rita Süssmuth war von 1985 bis 1988 Bundesgesundheitsministerin und sah sich plötzlich mit einer Krise konfrontiert, auf die sie nicht vorbereitet war. Für ihren besonnenen Umgang damit wurde sie 2016 jedoch mit der Ehrenmitgliedschaft der Deutschen AIDS-Hilfe ausgezeichnet. Kaum etwas anderes hat ihre politische Karriere so geprägt, wie ihre humane AIDS-Politik in enger Zusammenarbeit mit den schnell entstehenden AIDS-Selbsthilfegruppen. 

 

Verschiedene Cover-Seiten des Magazins "Der Spiegel" zu HIV/AIDS in den 80ern und frühen 90ern

 

 

Die "Rettung": Ehe, Monogamie und Enthaltsamkeit – statt Kondome als Zeichen der perversen Entartung

 

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl bat Süssmuth anfangs es sich nicht mit der Schwesterpartei CSU zu verscherzen und die Konfrontation mit deren HIV/AIDS-Politik zu vermeiden. Jedoch konnte sie ihn schlussendlich von ihrem Vorhaben überzeugen und ging auf direkten Konfrontationskurs mit Gauweiler. Ihr Ziel: Die Gesellschaft über HIV und AIDS sachlich zu informieren, dabei Betroffene im Blick behalten und ihnen helfen, eng mit den AIDS-Hilfen zusammenzuarbeiten und vor allem Safer Sex Prävention mit Kondomen betreiben. Es war vor allem letzter Punkt, bei der sie auf heftigen Widerstand u.a. bei der CSU – aber auch innerhalb der eigenen Partei stieß. Viele hielten die Bewerbung von Kondomen für den falschen Weg. Sie glaubten, es würde die Menschen zu wildem, sorglosen Sex verleiten und sahen in der Bewerbung von Enthaltsamkeit oder der monogamen Ehe die bessere Variante. So zierte Süssmuth überzogen mit einem Kondom dann auch schnell das Titelbild des Spiegel-Magazins. 

 

Es ist wichtig, die Geschichte von HIV, AIDS und dem gesellschaftlichen Umgang damit zu verstehen, wenn man nachvollziehen will, ob und wenn ja, wie und warum Sex ohne Kondom heute fetischisiert wurde. Stigma, Angst, Tabu, (vermeintliche) Gefahr und Sex-Negativität spielen nach wie vor eine große Rolle. Kondome haben mit der Zeit nicht nur gesellschaftliche Akzeptanz gewonnen, sondern avancierten zum moralischen Imperativ heute – eine Moralisierung, die an die moralische Entrüstung erinnert, mit der damals noch gegen Kondome und für Ehe, Monogamie und Enthaltsamkeit gekämpft wurde. Und die die gesellschaftliche Diskussion und Wahrnehmung von Menschen, die sich (aus unterschiedlichen Gründen, ob mit oder ohne andere Safer Sex Strategien) gegen Kondome entscheiden, prägt. Und mit dieser Prägung geht ein großer sozial-psychischer Einfluss auf das Sexleben, sowie auf die Fetischisierung von Sex ohne Kondom (im schwulen Milieu "Bareback" genannt) einher.

 

 

Prävention 2.0: Kondome, Schutz durch Therapie und PrEP

 

Mit der Akzeptanz und dem moralischen Imperativ von Kondomen entstand gleichzeitig eine Tabuisierung und Verteufelung von Sex ohne Kondome. Ist in heterosexuellen Kreisen das Kondom zu einem großen Teil mit der Vermeidung von Schwangerschaften verbunden, so ist es bei Männern, die Sex mit Männern haben (also homosexuelle, bisexuelle, pansexuelle, neugierige und nicht-definierbare Männer – kurz: MSM) vor allem die Prävention einer HIV-Infektion, aber auch von anderen STIs (Sexually Transmitted Infections, auf deutsch: sexuell übertragbare Infektionen). Dies liegt darin begründet, dass MSM besonders stark von HIV/AIDS betroffen waren und sind. Insofern überrascht es nicht, dass diese Tabuisierung auch vor allem (wenn auch nicht nur) in männlich-homosexuellen und anderen MSM-Kreisen greift.

 

Das Kondom wurde deswegen besonders in MSM-Kreisen zum moralischen Imperativ – wenn auch sich dies natürlich sehr stark ebenfalls in der (heterosexuellen) Allgemeinbevölkerung beobachten lässt. Nachdem das Kondom endlich seine notwendige gesellschaftliche Akzeptanz als Präventionsmethode erreicht hatte, wurde Sex ohne Kondom sehr schnell zur Gefahr, zum Tabu erklärt. Dies hält sich bis heute fest, auch in Zeiten, in denen es zusätzliche Präventionsmethoden gibt, die zumindest vor einer HIV-Infektion schützen. 2008 wurde erstmals offiziell bestätigt, was viele Wissenschaftler*innen schon lange wussten: Eine erfolgreiche HIV-Therapie, die die Viruslast konstant unter die Nachweisgrenze drückt, schützt vor einer Übertragung von HIV. Das Statement war ein Paukenschlag und befreite etliche Menschen mit HIV vor der ständigen Angst und dem Stigma, eine "Gefahr" für andere zu sein. Dennoch kam diese Erkenntnis nie in der Allgemeinbevölkerung richtig an. Zu groß war der Widerstand. Der medizinische Fortschritt ging indes weiter. 2012 brachte die WHO offizielle Richtlinien zur PrEP heraus. Die PrEP – oder Prä-ExpositionsProphylaxis – ist die Einnahme eines bestimmten HIV-Medikamenten-Wirkstoffes, das bei HIV-Negativen eine Infektion mit HIV mindestens genau so zuverlässig wie Kondome verhindern kann. Auch hier hat sich diese Erkenntnis nicht wirklich gesellschaftlich verbreitet. Vielmehr stieß die Mitteilung ebenfalls wieder auf Widerstand. Die Sorge: Menschen würden anfangen, verantwortlungslos und "wild herumzuficken." Außerdem würden Schutz durch Therapie (englisch: Treatment as Prevention, kurz: TasP) und PrEP ja nur vor HIV und nicht vor anderen STIs schützen. TasP- und PrEP-Befürwortende führen dagegen an, dass Kondome auch nicht zuverlässig vor STIs schützen, und dass Menschen, die sich vor HIV mit TasP oder PrEP schützen, in der Regel viel öfters zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen gehen, womit STIs somit früher erkannt und behandelt, und damit auch nicht mehr weitergegeben werden. Tatsächlich haben viele Regionen, in denen die PrEP angeboten wird, einen Rückgang an STI-Neudiagnosen erlebt – auch wenn dies lediglich ein Indiz, aber noch kein Beweis ist (2).

 

Dennoch bleibt Sex ohne Kondom – ob mit oder ohne TasP oder PrEP – ein Tabu. Allzu oft wird Safe Sex mit Kondomen gleichgesetzt. (Streng genommen müsste es auch nicht Safe Sex, sondern Safer Sex heißen, da es einen 100%-Schutz bei Sex einfach nicht gibt.) Bareback-Sex ist mit Attributen wie Gefahr, Wildheit, Zügellosigkeit, Trieben, u.s.w. verbunden. Und es sind diese Attribute, die das Potential der Fetischisierung beinhalten.

 

 

Das Kondom als gesellschaftliches Symbolbild der Triebkontrolle

 

Manche Menschen mögen Sex ohne Kondom, weil es sich für sie besser anfühlt. Manche reagieren auch allergisch auf Kondome. Dies ist dann noch kein Fetisch. Ein Fetisch ist es erst, wenn die allein die Idee des Sex ohne Kondoms Erregung hervorruft. Wenn der Gedanke "ich habe gerade Sex ohne Kondom" oder "die ficken ja ohne Kondom" sexuelle Erregung hervorruft, dann kann man von einem Fetisch sprechen.

 

Wie viele Menschen diesen Fetisch haben ist natürlich schwer zu sagen und durch die Tabuisierung noch schwerer wissenschaftlich zu erheben. Jedoch gibt es eindeutige Zeichen – zum Beispiel auf MSM-Datingportalen oder auf Pornographie-Websites, die auf Bareback ausgerichtete Porno-Kategorien anbieten – die verdeutlichen, dass die Zahl nicht gering sein dürfte. Wie entsteht dieser Fetisch also?

 

Ich orientiere mich bei der Antwort auf diese Frage größtenteils an meinem Artikel über die Soziologie sexueller Fetische: "Sexualität ist in der westlichen Kultur mit zahlreichen Symbolen verbunden. Mit Sehnsucht und mit Furcht, mit Tabus und mit Phantasien, mit Lust und mit Gier, mit Körperlichkeit, mit Primitivität, mit Schrecken, mit dem Abgrund der Seele, mit Verbotenem, mit dem Bösen, mit Dunkelheit, mit dem Tier im Menschen, mit Sucht, mit Versuchung, mit Schwäche, mit Gefahr, mit Perversion, mit Krankheit, mit Wildheit, mit Instinkten und mit Trieben, um nur einige zu nennen. All diese Symbolik erschafft – um es mit Butler zu sagen – diesen 'Komplex von zugleich gefürchteten und gewünschten Phantasien.' Von dem Verbotenem, das uns doch so sehr anzieht. Von der Gefahr, die uns erregt, uns lebendig fühlen lässt. Von dieser Versuchung der Dunkelheit, die unser Herz schneller schlagen lässt, teils aus Angst, teils aus Erregung. Von diesem Druck, dauernd einem Bild von "Normalität" zu entsprechen. Und die kurze Befreiung davon, wenn wir uns einfach mal fallen lassen." (3)

 

 

Darüber hinaus ist Sexualität in der westlichen Kultur sehr stark an Dualismen gebunden, an jeweils zwei gegensätzliche Kategorien, bei der die eine als besser als die andere gewertet wird. Dies hat auch Rubins Sex-Hierarchie gezeigt, die verdeutlicht hat, dass es einen Kreis an gesellschaftlich akzeptierten und eine Randzone an gesellschaftlich tabuisierten Sexualpraktiken gibt (4). Diese gesellschaftlich akzeptierten und tabuisierten Sexualitäten bewegen sich entlang kulturell höchst einflussreicher Dualismen, die die Geschichte der westlichen Philosophie und des westlichen Denkens prägen, wie zum Beispiel:

  • heterosexuell vs. homosexuell

  • Kultur vs. Natur

  • Mensch vs. Tier

  • Geist vs. Körper

  • Verstand vs. Gefühle

  • Vernunft vs. Triebe/Instinkte

  • zivilisiert vs. wild

  • gut vs. schlecht/böse

  • gesund vs. krank

 

Die Sex-Hierarchie nach Gayle Rubin [eigene Darstellung und eigene deutsche Übersetzung]; vgl. Rubin, Gayle (1992): Thinking Sex – Notes for a Radical Theory of the Politics of Sexuality, https://www.ipce.info/library_3/pdf/rubin_thinking_sex.pdf, S. 13.

 

Die Grenze zwischen gesellschaftlich akzeptierter und gesellschaftlich tabuisierter Sexualität kann sich historisch verschieben, bleibt aber fest verankert in den oben genannten Dualismen. So war zum Beispiel in Zeiten eines starken christlich-religiösen Einflusses in Europa Sex zur Reproduktion gesellschaftlich erlaubt, während Sex aus Lust tabuisiert war. Dies hat sich mit der Zeit verändert, aber dennoch bleiben Trennungen zwischen Sexpraktiken, die gesellschaftlich erlaubt und solchen, die gesellschaftlich tabuisiert sind, omnipräsent. So gehörte in den 80ern in Zeiten der AIDS-Krise Sex aus Lust wieder verstärkt zum Bereich der Tabus. In den 90ern hat sich dies wieder verändert, Sex aus Lust wurde gesellschaftlich liberalisiert, aber nur, wenn die Lust gezügelt und kontrolliert wurde, wenn in Anlehnung an oben genannte Dualismen der Mensch die Kontrolle über "das Tier in sich" behielt, wenn der Geist den Körper, der Verstand die Gefühle, die Vernunft die Triebe, und das Zivilisierte das Wilde kontrolliert. Das Kondom gewann dabei eine äußerst starke Symbolkraft, wurde es doch zur Materialisierung dieser Kontrolle, zum sichtbaren Symbolakt des kulturell-ideologischen Denkens. Indem man das Kondom über den Schwanz streift, verpackt und kontrolliert man diese "wilde Sexualität", diesen körperlichen Trieb. Das Kondom ist vielmehr als nur eine Möglichkeit, sich selbst und die Sexualpartner vor HIV (und teilweise vor anderen STIs) zu schützen. In einer Kultur mit eben jenen genannten Dualismen, ist das Kondom vor allem auch ein Symbol, eine Materialisierung einer kulturellen Ideologie. In dem Moment, wo das Kondom über den Schwanz gestülpt wird, vollzieht der Geist den Akt der Kontrolle über den Körper, der Verstand kontrolliert die lasterhaften Gefühle, die Vernunft bändigt den Trieb, der zivilisierte Mensch domestiziert das wilde Tier in sich. Mit dem Kondom über dem Schwanz ist die Gefahr gebändigt, kontrolliert und domestiziert. Und somit war Sex mit Kondom im Einklang mit der gesellschaftlichen, dualistischen Ideologie und wurde in den "gesegneten Kreis" gesellschaftlich akzeptierter Sexpraktiken innerhalb Rubins Sex-Hierarche aufgenommen.

 

Im Gegensatz dazu galt Sex ohne Kondom als Versagen der Kontrolle von Geist, Verstand, Vernunft und menschlicher Zivilisation über Körperlichkeit, Gefühle, Triebe und tierische Wildheit. Nicht nur mit dem Risiko einer HIV-Infektion, sondern vor allem mit dem Verlust dieser Kontrolle ging eine gesellschaftliche Bewertung von Gefahr einher. Für den westlich sozialisierten Menschen gilt es "als eines der größten Tabus, in den Tierstatus zurückzufallen, nachdem [er] sich unter größten Anstrengungen aus dem Zustand der totalen Naturverfallenheit 'befreit' hat" (5). Um dies zu vermeiden, muss Geist und Vernunft Körper und Triebe kontrollieren. Schließlich ist der Mensch kulturell gesehen, keine Tierart unter vielen, sondern das genaue Gegenteil davon. Und weil der westliche Mensch sich so definiert, muss er auch mit aller Macht versuchen, all jenes zu kontrollieren und zu unterdrücken, was ihn an seine eigene "Tierlichkeit" erinnert. 

 

Dies ist – nebenbei bemerkt – auch der Grund, warum viele Menschen mit HIV der eigenen Selbstschuld für ihre Infektion bezichtigt werden. Schließlich hätten sie sich nicht selbst, nicht ihre Triebe, ihr "inneres Tier" kontrolliert. Wie sonst könnten sie denn HIV-positiv geworden sein?

 

 

Die Fetischisierung von Bareback

 

"Ich bemerkte, dass es Menschen gab, die gegen [Bareback-Pornographie] waren und meinten, es sei abwertend und gefährlich. Diese böse Seite davon hat mich angezogen. Und ich fing an, welche zu kaufen."

- Zitat aus einem Interview mit einem MSM für eine Studie über Bareback-Pornographie-Konsum in Großbritannien (6)

 

Diese Dualismen und die Symbolkraft des Kondoms schreiben sich durch die Sozialisierung in unser Unterbewusstsein ein. Innerhalb der sozialen Konstruktion der Wirklichkeit sind sie ein gesellschaftliches Produkt. Sie haben viel weniger mit der wahren Natürlichkeit zu tun, als vielmehr damit, wie wir dies gesellschaftlich wahrnehmen und klassifizieren. Der Mensch als das Gegenteil des Tiers ist kein Gesetz der Natur, sondern ein vom Menschen geschaffenes Konstrukt. In Berger und Luckmanns Prozess der sozialen Konstruktion der Wirklichkeit kann man zwischen den drei Phasen Externalisierung, Objektivierung, Internalisierung unterscheiden: 

  1. Der Mensch erschafft (externalisiert) das Konstrukt des Menschen als Gegenteil vom Tier (sowie des Geists als Gegenteil vom Körper, der Vernunft als Gegenteil und Kontrollinstanz der Triebe, sowie des Sex mit Kondoms als Safe(r) Sex per se). Mit dieser Konstruktion & Externalisierung "Mensch/Geist/Vernunft vs. Tier/Körper/Trieb", sowie der symbolischen Aufladung des Sex mit Kondoms als gut und des Sex ohne Kondoms als schlecht/gefährlich hat er zugleich auch den ersten Schritt hin zum Bareback Fetisch erschaffen. Ohne diese symbolische Aufladung des Kondoms wäre eine Fetischisierung von Bareback nicht möglich.

  2. Anschließend kommt es zur Objektivierung: Der Glaube, dass der Mensch das Gegenteil vom Tier ist, dass das "innere Tier", sowie Triebe und Körperlichkeit vom Menschen, von Geist und Vernunft kontrolliert werden muss, dass Sex mit Kondom immer sicher und kontrolliert und gesund ist, während Sex ohne Kondom immer gefährlich, wild und krank machend ist, wird zur allgemeingültigen, gesellschaftlichen "Wahrheit". Selbst wenn dies wenig mit medizinischen Erkenntnissen zu tun hat: Es wird dennoch eine unsichtbare Selbstverständlichkeit, ein Gesetz, das nicht mehr in Frage gestellt wird. Und das auch – und dies ist hier ausschlaggebend – äußeren Druck auf die Menschen ausübt, sich diesem Glauben zu fügen. 

  3. Dadurch kommt es dann zur Internalisierung (also Verinnerlichung) all dieser Glaubenssätze. Sie schreiben sich in das Unterbewusstsein eines jeden Menschen innerhalb seiner Sozialisierung ein. Aus dem äußeren Druck wird ein innerer Druck. Der Mensch kontrolliert von nun an sich unbewusst selbst, um diesem Glauben entsprechend zu handeln und zu denken. Im Hinterkopf bleibt immer der verinnerlichte Druck, dass die nackte Haut des Schwanzes auf keinen Fall auf die nackte Haut der Vulva oder des Arschlochs treffen darf, sondern dass dazwischen immer nicht nur die schützende Wand des Kondoms sein muss. Dabei geht ging der Schutz des Kondoms langsam über von einem tatsächlichen Schutz gegen HIV hin zu einem symbolischen Schutz gegen die Triebe, die Wildheit und das innere Tier.

Wie diese Symbolkraft des Kondoms als das Gefahr bannende wirkt, zeigt sich insbesondere schon daran, ab wann Menschen Sex ohne Kondom als "Bareback" einstufen – insbesondere in sozialen Kreisen, in denen das Kondom diese Symbolkraft am stärksten hatte, zum Beispiel unter MSM. Vor der AIDS-Krise war Sex ohne Kondom nicht so stark tabuisiert und galt als Standard innerhalb der MSM-Pornographie. Folglich war Bareback-Sex auch kein häufig auftretender Fetisch. Dies änderte sich schlagartig mit dem Auftreten der AIDS-Krise in den 80ern. (MSM-)Pornographie-Produzierende baten ihre Darstellende, Kondome zu benutzen. Sex ohne Kondom wurde ein seltener Anblick in der Pornographie. In den 90er Jahren entstanden dann die ersten "Bareback"-Pornos, teilweise als eigenständige Nischenkategorie, was wiederum den ab dann entstehenden Fetisch-Charakter unterstreicht. Von allen heftig kritisiert, konnte man sich damals schon fragen, warum solche Pornographie so erfolgreich wurde, wenn angeblich jeder Mensch dies ablehnte. Schnell nämlich avancierte Bareback-Pornographie aus der Niche zu einem riesigen Markt.

 

Doch obwohl Bareback-Ponographie eigentlich Pornographie beschreibt, in denen keine Kondome benutzt werden, haben Studien gezeigt, dass nicht jeder Pornofilm, in denen Akteure keine Kondome benutzen, von den Zusehenden auch als Bareback eingestuft wird (7). So gibt es zum Beispiel verschiedene Genres innerhalb der schwulen Pornographie. Sobald die Studien-Teilnehmenden mit Pornographie konfrontiert wurden, die zwei Twinks (jungenhaft aussehende junge Männer) zeigten, die vielleicht ein Pärchen waren, und die Sex ohne Kondom hatten, haben sie konsistent die Anerkennung dieser Pornographie als Bareback abgelehnt. Manchmal haben sie die Abwesenheit von Kondomen sogar ignoriert oder weg-erklärt. Im Gegensatz dazu wurden aggressivere Sex-Szenen wesentlich öfter als Bareback eingestuft. Das gleiche gilt für Pornographie mit Männern, zwischen denen es einen großen Altersunterschied gab, oder zwischen Männern unterschiedlicher ethnischer Gruppen. Auch Pornographie, die Machtspiele hervorhob (zum Beispiel ein dominanter "Top" und ein unterwürfiger "Bottom") wurde viel öfters als Bareback eingestuft. Das gleiche galt für Pornographie über anonymen Sex oder an öffentlichen Orten. Schlussendlich wurde auch Pornographie, bei der es zum Austausch von Sperma kam, als Bareback betrachtet.

 

Was haben diese Pornographien gemeinsam? Sie spielen alle mit der Gefahren-Symbolkraft des Weglassens des Kondoms. Da das Kondom eben nicht nur einen realen Schutz vor HIV bietet, sondern vor allem eben einen symbolischen Schutz vor der gefährlichen Wildheit des inneren Tiers bekam, wird auch nur solcher kondomloser Sex als Bareback eingestuft, bei dem diese Gefahr deutlich zu sehen ist. Bei zwei Twinks ist dies nicht der Fall, wohl aber bei aggressiverem Sex zwischen einem dominanten Top und einem unterwürfigen Bottom, zwischen Sexpartnern mit großem Altersunterschied (bei dem oft ein (manchmal subtiler) Missbrauch-Rollenspiel mitschwingt), zwischen Männern unterschiedlicher ethnischer Gruppen (siehe hierzu den Artikel über die Fetischisierung schwarzer Männer), bei öffentlichem Sex (der in der Regel verboten ist), bei anonymen Sex (man weiß ja nie, mit dem man da gerade fickt), und natürlich bei Sex, bei denen Sperma in Löcher gespritzt wird.

 

Die Verinnerlichung dieser Symbolkraft erfolgt maßgeblich auch dadurch, was der Soziologie Foucault Biomacht nannte – eine sehr diffuse Form der Macht. War Macht bis zum Aufkommen der Industriegesellschaft sehr linear vom Herrschenden zum Beherrschten, so zieht sie sich nun durch die gesamte Gesellschaft wie ein Netzwerk – und zwar durch die Blicke unserer Mitmenschen. Gleichzeitig ist sie auch viel tiefgreifender und allgegenwärtiger, da wir nun der Überwachung aus unterschiedlichen Richtungen gleichzeitig ausgesetzt sind. "Nicht weil sie alles umfasst, sondern weil sie von überall kommt, ist die Macht überall" (8). Diese Biomacht, also das Herrschen über die Körper der Menschen, erklärt laut Foucault den aktuellen Fokus westlicher Gesellschaften auf körperliche Disziplin und den Drang, als "normal" zu gelten. Wir kontrollieren uns konstant selbst im Verhältnis zu dem, was in unserer Gesellschaft als normal gilt.

 

Der von Foucault beschriebene potentielle, kritische Blick der Mitmenschen, spielt eine maßgebliche Rolle bei der Verinnerlichung des Tabus des Sex ohne Kondom, sowie des Glaubens des Mensch/Kultur-Tier/Natur-Gegensatzes. Aus Angst vor Bestrafung, Spott und Ablehnung fängt jeder Mensch an, sich selbst zu überwachen und sein eigenes "inneres Tier" und alles, was diesem zugeschrieben wird, zu kontrollieren. Dazu gehört auch das, was mit schlecht, böse und gefährlich etikettiert wird: Sex ohne Kondom. Da die Biomacht so allgegenwärtig und tiefgreifend ist, bestärkt sie den Druck, in den Augen anderer als "normal" gelten zu wollen. Und "normal" heißt hier, sich so zu verhalten, dass man all diesen beschriebenen Anforderungen der Kontrolle des inneren Tiers durch das Überstreifen des Kondoms entspricht. Auf keinen Fall darf man sich "wie ein Tier" verhalten und einfach "wild" drauf los ficken.

 

Die Biomacht schreibt dies daraufhin im Habitus eines jeden Menschen ein. Diese Verhaltensweisen, diese Denk- und Handlungsmuster basierend auf der Weltsicht des Mensch/Kultur-Tier/Natur-Dualismus werden dann zu einer "zweiten Natur", zum Habitus des westlich sozialisierten Menschen. Die Objektivierung in der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit macht den Glaube an den Mensch-Tier-Gegensatz zu einer gesellschaftlich erschaffenen "Wahrheit". Es ist diese Wahrheit, dieses "Natürliche" und dieses Selbstverständliche, das zur Doxa, also zu diesen Grundüberzeugungen und Werten der Kontrolle der Natur durch die menschliche Kultur wird. Diese bei der Verinnerlichung durch die Biomacht tief in unser Unterbewusstsein eingeschriebene Doxa leitet dann das Natur-, Tier-, und zügellose Sexualität kontrollierende Denken, Sehen und Handeln.

 

Dies führt unweigerlich zu einem enormen inneren Druck. Der Mensch kann diese inneren Spannungen zwischen dem, was er ist, und dem, was er sein soll, nicht dauernd kontrollieren. Diese Spannungen haben deswegen das Potential sich in der Sexualität durch Erregung zu entladen, indem man sich genau in das hineinfallen lässt, was man ja doch eigentlich komplett vermeiden soll. Anders gesagt: es törnt uns an, das zuzulassen was wir dauernd unterdrücken sollen. Das Verbotene, die Gefahr, das Tabu entwickelt dadurch, dass es ein Tabu ist gleichzeitig ein unglaublich starkes Erregungspotential. Dadurch, dass der Mensch sein "inneres Tier" dauernd kontrollieren muss, und diese Kontrolle mit dem Überstreifen eines Kondoms physisch "beweisen" muss, kann es für ihn eine unglaubliche Erregung bedeuten, das Verbotene zuzulassen, sich fallen zu lassen, "zu einem Tier zu werden", und das Kondom einfach weg zu lassen. Der Bareback-Fetisch ist geboren.

 

Dadurch, dass Menschen Sex ohne Kondom tabuisieren oder pauschal negativ kritisieren, schaffen sie gleichzeitig den Bareback-Fetisch. Dies zeigt sich auch wiederum bei Studien. So haben einige Interviewte der Bareback-Studie angegeben, dass die Geilheit von Bareback-Pornographie für sie dadurch entsteht, dass es ein Tabu darstellt. Es ist etwas, wovon sie glaubten, dass sie es nicht tun, betrachten, bereden oder genießen sollten. (9)

 

Wir sind konstant umgeben von einer ständigen, tiefgehenden, allgegenwärtigen, alles umfassenden Kontrolle der äußeren und vor allem inneren Natur – symbolisch verkörpert im Kondom. Die Biomacht verinnerlicht die Doxa der Naturkontrolle durch das Kondom in unserem Unterbewusstsein, so dass auch wir uns selbst und das "Tier in uns" ständig und tiefgehend kontrollieren. Auch wenn dieser Druck meist komplett unbewusst wirkt, so ist er dennoch da. Und er liegt auf uns wie ein drückender Schatten. Dies gilt insbesondere für die MSM Community, die überdurchschnittlich stark von HIV/AIDS betroffen ist und war. Welch Befreiung, welch Erlösung es doch bietet, sich daraus einmal kurz zu befreien. Sich endlich einmal komplett fallen zu lassen. All dies, was wir kontrollieren und unterdrücken, einmal hemmungslos rauszulassen... Das "innere Tier" rauszulassen und einfach so zu ficken, wie man es dauernd unterdrückt hat.

 

So entsteht der Anti-Habitus. Der Druck durch die Biomacht und die verinnerlichte Doxa muss abgeleitet werden. Die Doxa erschafft deswegen einerseits den Habitus der Natur-, Tier-, Körper-, und Trieb-Kontrolle durch das Kondom. Andererseits braucht sie durch die dadurch entstehenden Spannungen aber auch eine Ableitungsfunktion: den Anti-Habitus. Der Bareback-Fetisch übernimmt diese Rolle. Der Anti-Habitus (hier: Erregung durch die Vorstellung, Sex ohne Kondom zu haben) ist das Gegenteil des Habitus (hier: die Kontrolle des "inneren" Tiers durch die Benutzung des Kondoms). "Das Gegenteil (Anti-Habitus) zu tun, von dem was wir gelernt haben, zu tun (Habitus), macht uns geil. Der Anti-Habitus ist das unausweichliche Mitbringsel des Habitus. Er ist der Schatten dessen. Je stärker der Druck des Habitus, desto größer auch die Befriedigung durch den Anti-Habitus, den Fetisch. Habitus und Anti-Habitus sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Das Eine kann ohne das Andere nicht existieren. Daher wird jeder Versuch, den Anti-Habitus zu unterdrücken, kläglich scheitern. Jeder Versuch, [den Bareback-] Fetisch zu unterdrücken, wird nicht nur erfolglos bleiben, sondern das Verlangen sogar noch verstärken." (10)

 

Dabei bleibt es weiterhin unerheblich, ob der Mensch/Kultur/Geist/Verstand-Tier/Natur/Körper/Trieb-Gegensatz, das Tier im Menschen, und die pauschale Gefahr des Sex ohne Kondoms einer naturwissenschaftlichen Realität entspricht oder es ein soziales Konstrukt ist. Frei nach dem soziologischen Thomas-Theorem (11), das besagt, dass jedes menschliche Handeln reale Konsequenzen zur Folge hat, ganz gleich wie irreal die Situationsdefinition war, die zu der entsprechenden Handlung geführt hat:

 

„Wenn die Menschen Situationen als real definieren, sind sie in ihren Konsequenzen real."

 

Das Tier im Menschen, diese ganzen Dualismen, und die ausnahmslose Gefahr des kondomlosen Sex sind nicht real existierende, soziale Konstrukte. Aber dadurch dass sie von Menschen als real empfunden werden, ist die Konsequenz der inneren Spannungen real. Und dadurch auch der Bareback-Fetisch, der daraus entsteht.

 

Die Gesellschaft erschafft den Bareback-Fetisch also als "Nebenprodukt" der Sozialisierung "versehentlich" selbst. Sie erschafft ihn, indem sie versucht, ihn zu unterdrücken. Je mehr sie versucht, ihn zu unterdrücken, desto stärker wird er. Je mehr wir dieses Tier in uns durch das zwanghafte (anstatt freie) Benutzen eines Kondom kontrollieren sollen, desto erregender ist es, das Tier übernehmen zu lassen, und einfach Haut auf Haut zu spüren.

 

 

Was wir daraus lernen müssen

 

Je mehr wir Sex ohne Kondom verbieten wollen, je mehr wir es tabuisieren, oder Menschen, die dies praktizieren, stigmatisieren, desto mehr werden wir den Bareback-Fetisch fördern. Dabei ist an dem Fetisch an sich nichts Schlechtes. Ob dies nun von den Praktizierenden als Fetisch oder einfach als besseres Gefühl empfunden wird: es gibt Möglichkeiten, Sex ohne Kondom zu haben, und sich dennoch vor HIV zu schützen. PrEP und Schutz durch Therapie sind mindestens genau so zuverlässig wie Kondome. Vor anderen STIs schützen sie zwar nicht, aber auch Kondome bieten hier nur einen Teilschutz. 

 

Auch ist es wichtig, von einem Zwangschutz-Denken weg zu kommen. Man kann Menschen nicht zwingen, sich zu schützen – vor allem nicht, wenn es um Sexualität geht mit ihren hochkomplexen, tiefenpsychologischen Hintergründen. Jeder Zwang – und sei er noch so subtil – führt unweigerlich zu unerwünschten Nebeneffekten. Wer glaubt, er oder sie könne Menschen durch Moralisierungen dazu bringen, Kondome zu benutzen, wird nicht nur ineffektiv sein, sondern genau das Gegenteil erreichen.

 

Eine zeitgemäße Prävention überlässt deswegen erstens jedem Menschen die Entscheidung über seinen eigenen Körper, seine eigene Sexualität und seine eigene Gesundheit. Und zweitens bietet sie alle wichtigen Informationen an, die Menschen benötigen, um eigenständige Entscheidungen mit Hinblick auf alle möglichen Konsequenzen treffen zu können. Dabei darf nichts verschwiegen oder tabuisiert werden, nur weil man persönlich der Meinung ist, es sei moralisch falsch. Solange Sexualität einvernehmlich passiert, hat fremdbestimmte Moral in den meisten Fällen nichts dort verloren. Dies gilt für die Anti-Kondom-Moralapostel aus den 80ern ebenso wie für die Anti-PrEP-Moralapostel von heute.

 

 

*Anm.: Ein Einwand könnte man am Schluss dennoch bringen: Wirklich einvernehmliche Sexualität setzt voraus, dass die Sexualpartner*innen sich auf Augenhöhe begegnen. Dies ist in einer Gesellschaft mit einem Machtgefälle zugunsten von Männern (insbesondere aber nicht nur zugunsten von heterosexuellen, weißen, Cis-Männern ohne Behinderung) aber leider nicht gegeben. Sexuelle Prävention muss deswegen auch immer ein Interesse daran haben, gesellschaftliche Machtverhältnisse zu hinterfragen.

 

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(1) Stroh, K. (2012)Maßnahmenkatalog gegen HIV – Als die CSU in den Krieg gegen Aids zog, SZ.de, http://www.sueddeutsche.de/bayern/massnahmenkatalog-gegen-hiv-als-die-csu-in-den-krieg-gegen-aids-zog-1.1292107, abgerufen am 18.03.2018.

 

(2) Cairns, G. (2017)Weniger Gonorrhö-Fälle in London, sinkende HIV-Zahlen down under – ist’s die PrEP?, magazin.hiv, https://magazin.hiv/2017/07/27/weniger-gonorrhoe-hiv-durch-prep/, abgerufen am 21.03.2018.

 

(3) Mannes, Jeff (2018)Der Ursprung von BDSM, Exhibitionismus & Piss-Sex – Über die Entstehung sexueller Fetische, orgysmic.com, https://www.orgysmic.com/single-post/Der-Ursprung-von-BDSM-Exhibitionismus-und-Piss-Sex, abgerufen am 24.03.2018.

 

(4) Rubin, Gayle (1992): Thinking Sex – Notes for a Radical Theory of the Politics of Sexuality, https://www.ipce.info/library_3/pdf/rubin_thinking_sex.pdf, S. 13.

 

(5) Sebastian, Marcel; Gutjahr, Julia (2013): Das Mensch-Tier-Verhältnis in der kritischen Theorie der Frankfurter Schule, S. 105, in: Buschka, Sonja; Pfau-Effinger, Birgit (Hrsg.): Gesellschaft und Tiere – Soziologische Analysen zu einem ambivalenten Verhältnis, Wiesbaden, S. 97-119.

 

(6) Pebody, R. (2013)Many gay men enjoy bareback porn, but are concerned about its possible effects on sexual behaviour, aidsmap.com, http://www.aidsmap.com/Many-gay-men-enjoy-bareback-porn-but-are-concerned-about-its-possible-effects-on-sexual-behaviour/page/2704451/, abgerufen am 21.03.2018.

 

(7) Vgl. idem
 

(8) Foucault, Michel (2017): Der Wille zum Wissen – Sexualität und Wahrheit I, 21. Aufl., Frankfurt am Main, S. 94.

 

(9) Pebody, R. (2013): Many gay men enjoy bareback porn, but are concerned about its possible effects on sexual behaviour, aidsmap.com, http://www.aidsmap.com/Many-gay-men-enjoy-bareback-porn-but-are-concerned-about-its-possible-effects-on-sexual-behaviour/page/2704451/, abgerufen am 21.03.2018.

 

(10) Mannes, Jeff (2018): Der Ursprung von BDSM, Exhibitionismus & Piss-Sex – Über die Entstehung sexueller Fetische, orgysmic.com, https://www.orgysmic.com/single-post/Der-Ursprung-von-BDSM-Exhibitionismus-und-Piss-Sex, abgerufen am 24.03.2018.

 

(11) Vgl. Thomas, William Isaac (1928): The Methodology of Behavior Study, in: Knopf, Alfred: The Child in America – Behavior Problems and Programs, New York, S. 553–576.

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